Die „Queen of Rockabilly“ Wanda Jackson kam (spät), sang und siegte in Thyrow – und mit ihr die Chris Aron-Band.

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THYROW - Schlaflose Nächte hatte sie. Nicht etwa vor Aufregung oder Lampenfieber, die große Wanda Jackson bald persönlich im kleinen Thyrow begrüßen zu dürfen. Nein, der eher schleppende Kartenvorverkauf war es, der Gertrud Klatt die Ruhe geraubt hatte. Sie verstand die Welt nicht mehr. Die legendäre Queen of Rockabilly, jene Sängerin mit der rauhen Stimme, die schon mit Elvis Presley rockte und als erste Frau in den prüden USA „wilde Musik“ machte, kommt und kaum einer schien sich dafür zu interessieren.

Bis Freitagabend. Da füllt sich die Kulturscheune nach und nach. Wird voller und voller, so dass für die Kellner kaum noch ein Durchkommen ist. Stühle müssen geholt werden, selbst gute Stehplätze werden Mangelware. Plötzlich trudeln selbst jüngere Leute ein, die zu den besten Zeiten von Wanda Jackson noch in den Windeln lagen. Sie tragen Shirts mit Aufschriften wie „I saw Wanda Jackson“ oder „Let’s have a Party“ und präsentieren sich im typischen Rock ’n’ Roll-Outfit. Und als die Chris Aron-Band aus München, die Wanda Jackson auf ihrer zweiwöchigen, acht Konzerte in Deutschland, Österreich und den Niederlanden umfassenden Tournee begleitet, die ersten Titel zelebriert, gibt es bei alten wie jungen Fans kein Halten mehr.
Zu diesem Zeitpunkt ist die inzwischen 72-jährige Wanda Jackson allerdings noch in ihrem Trebbiner Hotelzimmer. Dort hört sie nicht den großen Stein, der der rührigen Thyrower Veranstaltungschefin inzwischen vom Herzen gefallen ist angesichts der super Stimmung in der Kulturscheune. „Meine Bauchschmerzen sind weg“, sprudelt es aus einer sichtlich erleichterten Gertrud Klatt heraus, während der Vintage-Rock’n'Roll-Performer Chris Aron auf der Bühne mächtig ins Schwitzen kommt.
Dass er schon in seiner Kindheit den Rock’n'Roll der Fifties in vollen Zügen „inhalierte“ und zu den Elvis-, Country- und Oldie-Platten seiner Eltern sang und tanzte, nimmt man dem sympathischen Vollblutmusiker sofort ab. Auch, dass diese Jungs in der Lage sind, von der „Zahnspangenfraktion“ bis hin zu Trägern der „Dritten“ alle zu begeistern, die für energiegeladene Gute-Laune-Grooves sensibel sind.
Inzwischen ist es 21.25 Uhr. Während die Fans im Saal geduldig auf Wanda Jackson warten und die Musiker der Band die durchgeschwitzten Sachen wechseln, begrüßt Gertrud Klatt draußen den hochkarätigen musikalischen Gast. Hier noch ein kurzes Interview, dort noch ein Erinnerungsfoto „Backstage“ – dann steht dem Auftritt nichts mehr im Weg.
Es ist kurz vor 22 Uhr, als Wanda Jackson die Bühne betritt und sie lautstarker Applaus empfängt. Und sie hat nichts verlernt. Ihre Stimme klingt noch genauso prickelnd, unter die Haut gehend wie vor 40 Jahren. Selbst Jodeln kann die Ausnahmekünstlerin und sogar Schunkelmusik wie „Du kannst nicht treu sein“ kommt aus ihrem Munde. Ihre Domäne freilich bleibt Rock ’n’ Roll, Country, ja auch Gospel. Mit „Let’s have a party“ hat sie sich selbst ein musikalisches Denkmal gesetzt. Noch heute können Fans in aller Welt dem Countrysänger Hank Thompson dankbar sein, der sie einst gehört und zu weiteren Auftritten ermutigt hatte.
Während Wanda Jackson im Saal ihre großen Hits wie „Santo Domingo“ singt, bereitet ihr Mann Wendell Goodman im Vorraum alles für den anschließenden CD-Verkauf vor. 48 Jahre sind die beiden inzwischen verheiratet. Goodman hatte einst seinen Beruf bei IBM aufgegeben, um ihr Manager zu werden. Das macht er professionell. Er ahnt, dass der Andrang nach dem umjubelten Auftritt groß sein wird und ordert deshalb noch einen Tisch zusätzlich. Und er sollte Recht behalten.
(MAZ - Fred Hasselmann)